Um 1880 war es in Deutschland in Mode gekommen, Vereine zu gründen, so daß auch
in Bühl der Wunsch aufkam, eine Musikkapelle zu gründen.
Gegründet wurde der Musikverein 1884 von den Bühlern Josef Lohmüller, Alois
Weber, Andreas Weber, Otto Hönle, Pankraz Hönle und Lampert Sailer.
Zunächst hielt die "Musikkapelle", wie sie sich damals nannte, ihre Übungsabende
im Gasthaus Germania ab und eignete sich so ein gewisses Repertoire an
Musikstücken an, die dann hauptsächlich bei Hochzeiten, Tänzen und anderen
öffentlichen Veranstaltungen vorgeführt wurden.
Die Kapelle stand damals unter der Leitung des Militärmusikers Gustav Bax.
Schon bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt beim Bezirkskriegertag 1886 in
Derendingen erspielte sich die Kapelle die Anerkennung der Anwesenden. Dem
damals anwesenden König Wilhelm II von Württemberg fiel die Kapelle so positiv
aus, daß er ihr seine hohe Anerkennung aussprach und ihr 20 Goldmark als
Geschenk überreichen ließ. Durch diese einmalige Geste des Königs wurde die
Kapelle auch über den engeren Kreis bekannt und von da an mit Spielaufträgen
geradezu überhäuft, weshalb man die inzwischen auf 12 Mann angewachsene Kapelle
auch in der weiteren Umgebung bei Hochzeiten und anderen festlichen Anlässen
spielen sah.
Der erste Vorstand des Vereins war übrigens Alois Weber.
Die älteste schriftliche Mitteilung über Aktivitäten des Vereins in Bühl findet
sich erst zwei Jahre späterin der Tübinger Chronik in der Ausgabe vom 14.
Oktober 1886 mit folgender Notiz:
"Bühl: Eine Fahnenweihe des Krieger-Vereins fand am 12. Oktober 1886
statt.
Ein Festzug wurde anläßlich dieses Ereignisses durchgeführt ..."
"... voran die hiesige Musikkapelle ..."
"... die Kapelle intonierte alsdann die Königshymne unter der Leitung von Herrn
Bax.."
Damals wie heute waren Instrumente eine teure Anschaffung, die nicht so ohne
weiteres angeschafft werden konnte. Im Bestreben, die nötigen Finanzmittel zu
beschaffen, waren die Gründungsmitglieder recht ideenreich, allerdings nicht
immer erfolgreich.
So wird überliefert, daß einmal auf eigene Faust eine Lotterie veranstaltet
wurde, was als Staatsmonopol galt und somit illegal war. Es kam zu einer Anzeige
und nur der Vermittlung des damaligen Ortspfarrers Brischar, der als
Verbindungskollege gute Beziehungen zum Vorsitzenden der Strafkammer in Tübingen
hatte, war es zu verdanken, daß es zu der milden Strafe von 3 Mark plus 6 Mark
Kostenersatz kam.

Der Verein im Gründungsjahr 1884
Eine
weitere Anekdote handelt von einer Begebenheit beim Silvestertanz 1889:
Im Schloss Bühl trat die Kapelle beim Silvestertanz auf, als zu später Stunde
der Dorfbüttel vorbeikam und Polizeistunde gebot.
Dies wurde von der Kapelle und den Gästen nicht akzeptiert und es gab
lautstarken Protest. Als der Büttel nicht nachgab, setzte Lampert Sailer diesem
das Helikon mit dem Trichter auf den Kopf.
Daraufhin nahm dieser das Ärgernis auf und ging am Neujahrsmorgen damit zum
Dorfschultes, um ihm amtlich Meldung zu machen.
Der zweite Vorstand des Vereins, Nikolaus Leukart, starb ziemlich früh.
Sein Nachfolger und 3. Vorstand war sein Sohn Lorenz Leukart.
Im ersten Weltkrieg kamen die Musiker Lorenz Leukart, Josef Sailer und Karl
Leukart um. Nach Kriegsende aktivierten die übriggebliebenen durch Anwerben
junger Musiker den Verein zu neuem Leben. Die Leitung übernahm als 4. Vorstand
Anton Weber.
Das 40-jährige Jubiläum im Jahr 1924 und das 50-jährige Jubiläum 1934 waren
glanzvolle Marksteine in der Geschichte des nunmehr weitbekannten Vereins, der
das Dorf in der Zwischenzeit bei verschiedenen Musikfesten auch in der weiteren
Umgebung durch hervorragende Platzierungen und Preise würdig vertreten hatte.
Seit 1924 hieß die Kapelle auch offiziell Musikverein Bühl.
Das 50-jährige Jubiläum feierte der Verein vom 26. bis 28. Mai 1934
Dem Mitbegründer des Vereins, Alois Weber, wurde die höchste Auszeichnung des
damaligen Musikverbandes Neckar-Schwarzwaldgau durch Überreichung des goldenen
Musikerrings zuteil.
Der Verein im Jahre 1960
Für kurze Zeit trennte sich vom Musikverein ein kleiner Haufen ab, um
selbständig als Sportkapelle zu spielen. Mit vereinten Kräften gelang es
Musikern und dem damaligen Bürgermeister von Bühl, die Musikkameraden wieder im
Musikverein zu vereinigen.
Die Folge war ein stetiger Aufwärtstrend des Vereins.
1937 wirkte man bereits wieder mit beim Volksmusiktag vom 3.-5. Juli in
Dettingen/Erms - Bezirk Reutlingen.
Natürlich war dies nur ein Ereignis unter vielen.
Das Vereinsleben endete schlagartig 1939 mit Ausbruch des zweiten Weltkriegs und
sollte dann sieben Jahre ruhen. Das 60-jährige Jubiläum 1944 fiel aus. Acht
Mitmusiker verloren ihr Leben in diesem Krieg.
Auch nach Kriegsende war das Vereinsleben eine Zeit lang völlig gelähmt.
Doch bereits 1946 fanden sich einige Musiker zusammen, um den Musikverein wieder
aufzubauen. Die aus Kriegsgefangenschaft zurückkehrenden Musiker wurden freudig
empfangen. Mit der aktiven Hilfe von 16 älteren Musikkameraden und der am 30.
April 1947 endlich erteilten Genehmigung der französischen Militärregierung
konnte der Musikverein einen neuen Anfang machen. Es wurden junge Musiker
geworben und der Verein zu neuer Blüte geführt.
Unter seinem 5. Vorstand Jakob Bisinger feierte man vom 2. bis 4. Juli 1949 das
1. Bezirks-Musikfest mit Wertungsspiel und gleichzeitig das 65-jährige Jubiläum.
Es war nach den Aussagen derer, die sich noch daran erinnern, ein schönes und
großes Fest und für die damalige Notzeit ein echtes Erlebnis für alle
Beteiligten. Unter anderem nahmen 17 Musikvereine, davon zwei Stadtkapellen
daran teil.
Nach diesem Fest übergaben einige der älteren Musikkameraden ihre Instrumente an
jüngere Musiker, die sich sehr mühten, die Tradition des Vereins weiter zu
führen.
An Wiederaufbau wurde in dieser Zeit viel geleistet und so konnte im Jahre 1950
ein Musikerheim am Ortsrand von Bühl bezogen werden.
Um dieses Heim erstellen zu können, wurden etliche Arbeitsstunden von den
Mitgliedern geopfert, ein Beweis mehr dafür, dass die Vereinsangehörigen und
Freunde dem Verein die Treue hielten.
Trotz der vielen Arbeit am Aufbau des Musikerheims wurde die Musik nicht
vernachlässigt und so konnte man sich beim 1. Verbandsmusikfest des
Volksmusikverbandes Württemberg-Hohenzollern am 15. -17. Jul 1950 in Rottenburg,
mit internationalem Wertungsspiel, in der Unterstufe eine Note "gut" erspielen.
An der Spitze der Vorstandschaft als 6. in der Vereinsgeschichte übernahm im
Jahr 1958 Franz Geiger die Führung des Vereins und man bereitete mit viel
Energie und Fleiß das 75-jährige Bestehen des Vereins vor. Vom 4. bis 6. Juli
1959 war es dann soweit, ein schönes Fest mit Gästen aus nah und fern wurde
ausgerichtet. In Weitingen hatte man sich beim Bund Süddeutscher Volksmusiker
Bezirk Neckar-Alb vorher noch einen Preis erspielen können.
Neben den normalen Vereinseinsätzen werden in der weiteren Chronik nur die
besonderen Ereignisse erwähnt.
Am 3. Juli 1960 fand in Nierstein am Rhein ein Schifferfest statt und unsere
Musiker gaben unserem Ehrenmitglied Josef Lohmüller ein Ständchen.
Am 11. Juni 1961 nahmen wir unter anderem am Kreismusikfest in Dettingen teil
und am 22. Juli 1962 war ein hervorstechendes Ereignis das Bezirksmusikfest in
Kirchentellinsfurt.
Am 23. Mai 1963 fand unter der Leitung von Adolf Gutterer ein Platzkonzert in
Bühl in neuen Uniformen statt.
Das Kreismusikfest am 5. Juli 1964 in Pfrondorf sollte nicht unerwähnt bleiben,
sowie der Auftritt am 20. des gleichen Monats auf Einladung der Bürgerwache
Rottenburg beim Bürgerwehrtreffen, wo die Musiker reichen Beifall einheimsen
konnten.
Weitere musikalische Glanzpunkte waren das Kreismusikfest am 13. Juni 1965 in
Hagelloch, das Bezirksmusikfest in Kiebingen am 17. Juli 1967, wo wir beim
Wertungsspiel unter Dirigent Gutterer den 2. Rang einheimsten, das
Bezirksmusikfest am 7. Juni 1970 in Wurmlingen, das Landesmusikfest am 19. Juli
desselben Jahres in Rottenburg sowie das Bezirksmusikfest in Mössingen am 15.
Juli 1973.
Auch das gemeinsame Konzert des Musikvereins zusammen mit dem Gesangverein im
Schlosssaal Bühl, unter anderem mit dem Gefangenenchor aus der Oper Nabucco war
ein sehr schönes Ereignis.
1971 übernahm der Dirigent Anton Horn die musikalische Leitung des Vereins.
Ein wirkliches Großereignis war dann das 90-jährige Jubiläum vom 12.- 15. Juli
1974, das unter der Teilnahme fast aller Bühler Mitbürger begangen wurde.
Ein volles Zelt an allen Tagen, ein umfangreiches Programm, viel gute Laune und
strahlender Sonnenschein waren der Lohn für die viele Arbeit und all die Mühe.
Krönung der Festtage war die Mitwirkung von Musikern unserer Partnerstadt Aix en
Provence, die sich als unsere Gäste so wohl fühlten, dass wir eine
Gegeneinladung bekamen.
Diese nahmen wir im Folgejahr an und so kam es als großes Erlebnis für alle
Musiker zur ersten Auslandsreise des Vereins in der Vereinsgeschichte. Diese "Jumelage"
wurde ein großer Erfolg. Auftritte auf dem Cours Mirabeau und im Parc Jourdan
unter dem Dirigenten Wilhelm Schöffel (Dirigent Anton Horn war leider erkrankt)
wurden bei südländischem Flair vor Tausenden von Zuhörern echte große Erlebnisse
für Musiker und Zuhörer; in warmer Sommernacht feierte man eine Fête de la Bière,
die ihresgleichen suchte, bis die Morgensonne über der schönen Stadt die letzten
Gäste in ihre Betten schickte.
Ein Höhepunkt 1976 war das Weihnachtskonzert am 19. Dezember im Schloßsaal Bühl,
der damals noch beim Schloss angebaut war.
Auch zum Gelingen des 500-jährigen Jubiläums der Eberhard-Karls-Universität
sowie einem großen Bürgerfest in Tübingen haben wir 1977 nicht unwesentlich
beigetragen.
Nicht vergessen werden darf die 900-Jahrfeier der Stadtgründung Tübingens vom
12.-20. August 1978. Ungezählte Vereine und Gruppierungen trugen dazu bei, daß
dieses Fest zu einem ganz großen Volksfest wurde. Kulturelle Veranstaltungen
wetteiferten mit Tanz und Spiel. Die Bühler Vereine hatten sich zusammengefunden
und in einer großen Gemeinschaftsarbeit eine Bühne mit Bewirtung auf der großen
Neckarbrücke erstellt.
In mehr als zweijähriger Bauzeit wurde ein Steinbau anstelle des seit 1950
bestehenden, aus Holz gebauten Musikerheims errichtet und am 22./23. Oktober
1977 eingeweiht. Die offiziellen Einweihungsfeierlichkeiten waren dann, unter
Beteiligung zahlreicher Ehrengäste, am 6. und 7. Mai 1978.
Die musikalische Arbeit erforderte trotz großem Einsatz der Musiker beim Bau
ihres neuen Heims viel von den Beteiligten, denn am 11. April wurden Aufnahmen
des Süddeutschen Rundfunks gemacht für die Sendung "Klang und Sang aus Stadt und
Land", einer Sendung über das Dorf Bühl mit musikalischen Einlagen des Musik-
und Gesangvereins.
Die Jugendarbeit kam dabei nicht zu kurz und damit sich die Jugendlichen einmal
ganz richtig kennen und verstehen lernen, wurde die musikalische Ausbildung in
den Rahmen einer Ferienwoche in Innerbraz verpackt.
1979 übernahm Edmund Weber die Vereinsleitung als 1. Vorsitzender
Im Februar 1979 musste unser Verein und andere Musikvereine einen herben Verlust
hinnehmen: Unser Dirigent Anton Horn, der den MV seit über 8 Jahren leitete,
verstarb plötzlich. Seine Beerdigung am 29. Februar wurde zur Demonstration für
die Volksmusik, die Anton Horn mit enormem Idealismus gefördert hatte.
Doch "the show must go on". es stand ein umfangreiches Programm ins Haus: Im Mai
ein Frühschoppenkonzert vor dem Musikerheim, ein Tag der offenen Tür im Rathaus
Tübingen, ein Vereinsjubiläum, ein Kreismusikfest, zwei Stadtfeste, die
Sichelhenke sowie die üblichen jährlichen Veranstaltungen und Feste.
In die Bresche sprang Adolf Gutterer als Interimsdirigent, bis dann Ende 1979
Willi Grammer die Nachfolge von Anton Horn übernahm.
Mit einem "Anton-Horn-Gedächtniskonzert" in seiner Heimatgemeinde Hirschau
zeigten die Musiker, dass sie ihren Musikkameraden nicht vergessen hatten.
Seit Februar 1980 nimmt der Musikverein wieder regelmäßig am Narrenumzug in
Rottenburg teil.
Im Januar 1996 übernahm Bernhard Weber von seinem Vater die Leitung des Vereins
als 1. Vorsitzender.
Ein Highlight 1996 war der Ausflug nach
Buhl im Elsass. Der dortige Ortsvorsteher hatte uns und weiter 12 Orte, die
Bühl oder frz. Buhl heißen, eingeladen, an der 900-Jahr-Feier der
1000-Seelen-Gemeinde teilzunehmen.

Der Verein im Jahr 2001